Hinweise zur Corona-Krise

Seit Ende Februar wächst die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem sogenannten neuen Corona-Virus stetig - mal mehr, mal weniger stark. Um die weitere Ausbreitung zu verlangsamen, gelten inzwischen viele Regeln, die das gewohnte Leben zum Teil einschränken. Diese Einschränkungen können als Belastung empfunden werden. Auch die Vielzahl an Berichten über die Krankheit kann beängstigend wirken.

Wir möchten gerne einige Hinweise geben, was (nicht nur) in der aktuellen Situation für die psychische Gesundheit hilfreich sein kann.

Angst ist eine normale und verständliche Reaktion

Inzwischen ist die Pandemie-Situation für die meisten schon vertraut. Sie unterscheidet sich stark von dem, was für uns zur Normalität gehört. Insofern hat diese Situation immer noch etwas neues an sich. Es ist weiterhin unklar, wie die lage sich weiter entwickelt und wann die Pandemie als überwunden gilt. Unsicherheit, Sorgen, Ängste sind in so einer Situation eine normale und verständliche Reaktion.

Angst ist eine natürliche Schutzfunktion, die uns hilft, Risiken und Gefahren zu erkennen. Doch Angst kann auch belastend werden, wenn sie uns nicht mehr loslässt. Dann ist es hilfreich, sich der Angst zu stellen und bewusst zu fragen: Ist das, was mir Angst macht, eine wirkliche Gefahr für mich? Je nachdem, wie die Antwort ausfällt, können wir entweder der Gefahr begegnen – oder die Angst in ihre Grenzen weisen.

Prinzipien der Psychosozialen Akuthilfe

Der Psychologe Stevan E. Hobfoll benennt fünf Prinzipien, die bei der Bewältigung eines belastenden Ereignisses hilfreich sind. Diese Prinzipien sind

  • Ein Gefühl von Sicherheit
  • Beruhigung und Entspannung
  • Erleben von Selbstwirksamkeit (man kann auch sagen: feststellen, was wir selber gut bewerkstelligen können)
  • Menschen zu haben, die uns zur Seite stehen
  • Hoffnung zu haben, auf die man sich besinnen kann.

Man kann sich diese Prinzipien gut an einer Hand abzählen und so auch merken. Jedes Prinzip ist für sich allein schon hilfreich. In der aktuellen Situation können sie etwa so umgesetzt werden:

Sicherheit

Wenn Unbekanntes Unsicherheit erzeugt, kann durch Bekanntes Sicherheit vermittelt werden. Behalten Sie daher ihre gewohnten Alltagsroutinen so gut es geht bei. Stehen Sie zur gewohnten Zeit auf, geben Sie ihrem Tag eine Struktur.
Informieren Sie sich aus verlässlichen Quellen – zum Beispiel beim Robert-Koch-Institut, den Internetseiten der Landesregierung oder des Landkreises. Planen Sie auch Zeiten ein, in denen die Nachrichten Sendepause haben.

Beruhigung und Entspannung

Manche Freizeitaktivitäten sind nicht oder nur eingeschränkt möglich. Doch selbst, wenn jemand vorübergehend seine Kontakte reduzieren muss oder gar eine Quarantäneanordnung erhält, sind weiterhin auch körperliche und sportliche Aktivitäten möglich. Wer das Haus verlassen darf, kann spazieren gehen oder joggen. Viele Gymnastikübungen sind auch für die Wohnung geeignet. Sie können ein Buch lesen, Musik hören, einen Film anschauen oder kreativ tätig sein. All das trägt zur Entspannung bei.
Im Internet finden Sie Anleitungen sowohl für Gymnastikübungen als auch für Entspannungstechniken.

Erleben von Selbstwirksamkeit

Gegen das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, hilft es selbst aktiv zu sein. Gibt es Menschen in Ihrem Umfeld, denen Sie jetzt helfen können? Die Gemeinden, Kirchengemeinde oder Vereine haben oft Kontaktbörsen für ehrenamtliche Helfer.
Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, ein schon lange geplantes Projekt anzugehen? Wer gerne malt, bastelt oder werkelt, findet etwas, dessen Abschluss am Ende ein Erfolgserlebnis sein wird.

Kontakte

Die persönlichen Begegnungen sind nun eingeschränkt. Doch selbst wenn Sie alleine leben oder gar in Quarantäne sind, können Sie telefonisch oder über soziale Medien Kontakt mit Freunden und Familie halten.

Hoffnung

Haben Sie ein offenes Ohr für positive Nachrichten! Vielleicht ist jetzt auch Zeit, inne zu halten und Prioritäten neu zu setzen, einen Plan für die Zeit „nach Corona“ zu schmieden? Meditation, die Teilnahme an virtuellen Gemeinschaftsaktionen können Hoffnung stärken.
Im Internet werden derzeit viele Andachten und Gottesdienste übertragen, auch für sich allein können Sie ein Gebet sprechen.

Lassen Sie Ihre Gefühle zu. Sie sind normale Reaktionen auf die unnormale Situation.

Wenn Sie sich niedergeschlagen fühlen, zögern Sie nicht, sich frühzeitig Hilfe und Unterstützung zu suchen. Ihre Familie oder Ihr weiteres soziales Umfeld können dafür ein wichtiger Rückhalt sein. Die Telefonseelsorge kann ebenfalls eine Anlaufstelle sein (Tel. 0800-111 0 111 oder 0800-111 0 222 oder 116 123).

 

Weiterführende Hinweise

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BBK) hat Tipps bei häuslicher Quarantäne und Tipps für Eltern herausgegeben.